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Geschrieben von: Administrator   
Samstag, den 30. August 2014 um 05:43 Uhr

Meine Daten, mein Eigentum - My Data, My Property

Im Folgenden wird ein Aktionsvorschlag für die 31C3 skizziert. Ziel dabei ist es, mit einer künstlerischen Performance auf die Probleme des privaten Datenschutzes hinzuweisen angesichts der Fähigkeiten von Geheimdiensten zur Ausspähung und vor dem Hintergrund einer vollständig korrumpierten technischen Infrastruktur im Internet.

 

 

MyDataMyPropertyNicht zuletzt die Leaks der Promi-Nacktbilder haben deutlich gemacht, wie ungeschützt unsere Daten im Netz herum liegen. Nicht nur Geheimdienste verschaffen sich aufgrund ihrer herausragenden technischen Möglichkeiten Zutritt zu Informationen, die eigentlich von grundlegenden Menschenrechten geschützt sind. Auch Hacker gelingt es immer wieder, Sicherheitslücken auszunutzen, um private Daten zu veröffentlichen. Dass derartige Verbrechen überhaupt möglich sind, ist ein Beweis dafür, dass massive Sicherheitslücken an Basiskomponenten des Internets existieren. Auch durch die Veröffentlichungen von Snowden wurde offen gelegt, dass die Geheimdienste nicht nur solche Sicherheitslücken ausnützen, sondern auch bewusst Teile von Software und Hardware korrumpieren. Diese Zerstörungen an der Infrastruktur wiederum werden dann auch wieder von Hackern für ihre verbrecherischen Taten genutzt.

Der Datendiebstahl von Verbrechern, Internetkonzernen und Geheimdiensten bleibt international weitestgehend folgenlos. Nur selten kommt es zu Verurteilungen und Geheimdienste operieren bei ihren Verstößen vollständig unkontrolliert. Ganz anders verhält es sich mit dem Recht an dem eigenen Bild. Die Auseinandersetzungen zwischen Paparazzi und schlagkräftigen Film - und Sportstars, die sich handgreiflich zur Wehr setzen, gehen regelmäßig durch die Weltpresse. Das Recht auf das eigene Bild ist ein wesentlicher Bestandteil der Persönlichkeitsrechte und wird nur in Ausnahmefällen, z.B. bei Personen der Zeitgeschichte außer Kraft gesetzt. Die Frage, ob ein Kind oder Jugendlicher auf einer Ferienfreizeit von den Betreuern fotografiert werden darf, gehört zum Alltag der Eltern in Deutschland. Gleiches gilt auch in Kindergärten und Schulen.

Was dadurch deutlich wird: Wenn wir unser Gesicht zeigen, werden wir verletzlich. Mit unserem Gesicht verknüpfen wir einen wesentlichen Teil unserer Identität. Es ist das, was der Gegenüber bei einer Begegnung wahrnimmt, ein Stück der eigenen Person, über das wir die Kontrolle behalten wollen. Person und Gesicht sind nahezu untrennbar miteinander verbunden.

Ganz anders gehen wir mit unseren Daten um. Wir lassen es zu, dass unsere eigenen Daten ohne großen Widerspruch in Massenspeichern landen, um über unzählige Verwertungsketten Datenspeicher zu füllen, die über die eigene Person Auskunft geben. Wir geben die Kontrolle über die eigenen Daten, die Daten unserer Kinder und Angehörigen, über Freunde und Verwandte ab an Institutionen, die uns überwachen und manipulieren wollen. Wir erlauben mafiösen und kriminellen Organisationen den Zugriff auf unsere Daten  und nehmen dies hin wie schweigende Lämmer.

Dabei sind diese Daten so unverwechselbar wie unser Gesicht. Sie sind ein Teil unserer Identität, sie beschreiben uns als Person. Ja, sind diese Daten geschickt genug aggregiert und in Kontexten zusammengefügt, können sie mehr über uns erzählen als es ein Gesicht je preisgeben könnte.zusammengefügt, geben diese Daten mehr Preis, als es unser Gesicht je tun könnte.

Darum: Meine Daten gehören mir - und sie müssen geschützt werden.

Die Aktion 'My Data, My Property - meine Daten, mein Eigentum' macht auf diesen Umstand aufmerksam. Mit dieser Aktion ist Aufforderung an die Politik verbunden, einen umfassenden Schutz von Daten rasch umzusetzen. Das Internet ist nicht nur Wirtschaftsraum von Internetkonzernen und Schlachtfeld von Geheimdiensten, er ist auch Lebens- und Entfaltungsraum von Privatpersonen, von Männern, Frauen und Kindern. Deren Rechte zu schützen ist oberste Aufgabe staatlicher Gewalt. Ein rechtsfreier Raum 'Internet' ist nicht hinnehmbar und zerstörte das Vertrauen in Demokratie und Gesellschaft.

Der 31C3 ist eine ideale Plattform, die Idee des umfassenden privaten Datenschutzes für Privatmenschen gegenüber Staat und Wirtschaft im Rahmen des Kunstprojektes 'My Data, My Property meine Daten, mein Eigentum' zu transportieren. Im Rahmen eines Workshops und eines Lightning Talks werden die Veranstaltungsbesucher aufgefordert, sich die vorher verteilten CDs vor das Gesicht zu halten und aufzustehen. Von diesem Bild werden Fotos genommen, die über die vernetzten Kanäle des 31C3 hinaus in die Welt verbreitet werden können.

Diese Aktion soll weltweit zur Nachahmung anregen und kann auf allen Veranstaltungen zum Thema 'Datenschutz und Überwachung' mit relativ einfachen Mitteln wiederholt werden.

 

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 06. September 2014 um 13:16 Uhr