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Es müssen nicht immer Fake News sein, wenn der Aspekt der Manipulation durch Massenmedien betrachtet wird. Es ist schon ausreichend, Meldungen unterschiedlicher Presseprodukte zu vergleichen, um zu erkennen, welche Intentionen in die Texterstellung einfließen.

 


Als Beispiel wird hier die dpa-Meldung zu den Vorfällen in Köln Silvester 2016 herausgegriffen und die Bearbeitung der Westfälischen Nachrichten in Münster analysiert. Betrachtet wird dabei der Seite-1-Text der WN, der die gleiche dpa-Meldung zur Grundlage hat wie die Online-Texte von  FAZ und RP.

RP: http://www.rp-online.de/politik/nur-wenige-nordafrikaner-waren-an-silvester-in-koeln-aid-1.6533158

FAZ: http://www.faz.net/agenturmeldungen/dpa/polizei-an-silvester-vor-allem-iraker-und-syrer-in-koeln-14639694.html

Im Folgenden sind die textlichen Unterschiede herausgearbeitet.

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RP: "Polizei: An Silvester vor allem Iraker und Syrer in Köln"

FAZ: "Polizei korrigiert Angaben - Nur wenige Nordafrikaner waren an Silvester in Köln"

WN: "Auch viele Iraker und Syrer in Köln"

=> Wo FAZ und RP bereits in der Überschrift auf die fehlerhaften Zahlen der Polizei in den ersten Meldungen nach Silvester hinweisen, erweckt die WN den Eindruck, als wären zusätzlich zu den bereits identifizierten Nordafrikanern auch noch Syrer und Iraker hinzu gekommen

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RP: "Der Kölner Polizei droht eine Blamage: Neue Zahlen legen den Schluss nahe, dass die zum Jahreswechsel kontrollierten jungen Männer überwiegend gar keine Nordafrikaner waren. Die Polizei hatte das bisher anders dargestellt."

FAZ: "Die Kölner Polizei hat ihre Angaben zur Nationalität der an Silvester am Hauptbahnhof kontrollierten jungen Männer korrigiert. ... Zwei Wochen später ergibt sich nun ein anderes Bild."

WN: "Zwei Wochen nach der Silvesternacht hat die Kölner Polizei hat ihre Angaben zur Nationalität der an Silvester am Hauptbahnhof kontrollierten jungen Männer präzisiert. ... Zwei Wochen später ergibt sich nun ein detaillierteres Bild."

=> Wo FAZ und RP klar die falschen Aussagen der Polizei als Fehler benennen, der korrigiert wurde, bleibt es bei der WN bei einer 'Präzisierung. Der Fehler der Sicherheitsbehörden werden als solche von der WN nicht erwähnt.

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RP: "In 674 Fällen habe man gesicherte Personendaten, in 425 Fällen könne man etwas zur Nationalität sagen. Von diesen 425 Personen waren 99 Iraker, 94 Syrer, 48 Afghanen und 46 Deutsche. Lediglich 17 waren Marokkaner und nur 13 Algerier - die Quote der gesichert als Nordafrikaner Identifizierten liegt bislang also bei nur sieben Prozent."

FAZ: "Insgesamt ermittelte die Polizei die Identität von 674 Personen. Davon konnte bisher bei 425 Personen die Nationalität festgestellt werden. Von diesen 425 waren 99 Iraker, 94 Syrer, 48 Afghanen und 46 Deutsche. 17 waren Marokkaner und 13 Algerier."

WN: "Demnach stammen die Männer auch aus dem Irak, aus Syrien und Afghanistan."

=> Wo FAZ und RP klar die Zahlen offenlegen und unterstreichen, dass lediglich bei einer Minderheit der erfassten Personen auf eine Herkunft aus Nordafrika zu schließen ist, fällt diese Information bei der WN unter den Tisch.

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Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die WN offensichtlich weiterhin bestrebt ist, die von keinen Fakten bestätigte Legende am Leben zu halten, dass Silvester 2016 nochmals zahlreiche Nordafrikaner die Konfrontation mit Polizei und Öffentlichkeit in Köln gesucht haben.

Dies stellt aus meiner Sicht ein ungeheures Maß an journalistischer Verantwortungslosigkeit und gesellschaftspolitischer Fahrlässigkeit dar. Fakten müssen auf den Tisch und nicht auf Basis politischer Weltanschauung 'passend geschliffen' werden. Diese Situation entwickelt in Münster mit der unterentwickelten Presselandschaft eine hohe Brisanz - gerade auch in Wahlkampfzeiten.

 

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 17. Januar 2017 um 10:33 Uhr