Lösungen statt Symbole | Drucken |

Im gestrigen Lokalteil der Westfälischen Nachrichten wurde über die Situation der Flüchtlinge in Drensteinfurt berichtet. In einem Kommentar sprach sich die Lokalredaktion für Flüchtlings-Obergrenzen aus.

Meinen Leserbrief als Antwort auf Berichterstattung und Kommentar wird die Lokalredaktion der Westfälischen Nachrichten nicht veröffentlichen. Daher hier nun der Text, der im Drensteinfurt-Teil der Zeitung nicht erscheinen wird:

"Obergrenzen bei den Flüchtlingen sind keine Lösung - weder in Drensteinfurt, noch in Deutschland oder Europa. Und erst Recht nicht für die Menschen, die vor dem Bürgerkrieg fliehen.

Diese Diskussion lenkt lediglich ab - von dem Versagen von Bundesregierung und Gesellschaft. Die Bundesregierung hat versagt, weil seit Jahren die Hilferufe von Flüchtlingsorganisationen und Behörden in Deutschland ignoriert wurden. Der Stau bei unbearbeiteten Asylanträgen ist nicht erst gestern entstanden. Und die Kürzungen der Hilfen für die Flüchtlingslager in Jordanien, im Libanon und in der Türkei sind ein humanitärer Offenbarungseid, der die Menschen aus dem Nahen Osten erst nach Europa in Bewegung gesetzt hat.

Wir als Gesellschaft - auch in Drensteinfurt - haben versagt, weil wir all dieses unmenschliche Handeln seit Jahren einfach hinnehmen. Wir wissen spätestens seit Anfang 2014, dass das Mittelmeer ein Massengrab für Flüchtlinge ist. Wir haben weggeschaut, uns weggeduckt und die Tatenlosigkeit der Bundesregierung einfach hingenommen - trotz der Appelle vom Papst Franziskus bis zum UN-Generalsekretär.

Mit dem Bundestagsbeschluss vom Freitag ist Deutschland nun auch Kriegspartei in Syrien. Damit werden weder Terror noch Fluchtursachen bekämpft. Wer auf der Balkanroute oder auf dem Mittelmeer sein Leben und das Leben seiner Kinder aufs Spiel setzt, lässt sich weder durch Tornados noch durch Obergrenzen zum Ausharren überreden.

Nun steht das Problem bei uns vor der Haustür in Gestalt der Flüchtlinge. Wegducken und Wegschauen sind daher keine Handlungsoptionen mehr. Darum brauchen wir - auch in Drensteinfurt - konsequentes humanes und realtitätsbezogenes Engagement der Zivilgesellschaft über einen langen Zeitraum statt kurzsichtige Symbolpolitik und weltfremde Diskussionen."